Land und Leute
"Wer hier in Ethnien denkt, ist ein anachronistisches Fossil“ PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Ingo Langner   
Mittwoch, 08. Juli 2009

"Liebeserklärung an Mazedonien in der größten deutschen katholischen Tageszeitung"  

Mazedonien, der junge Staat auf dem Balkan, baut im wahrsten Sinne des Wortes auf seine christliche Kultur – Skopje, die Heimat von Mutter Teresa

Als die Boeing 737 am Ostermontag die dichte Wolkendecke durchstößt und auf dem Flughafen „Alexander der Große“ landet, hat in Skopje gerade die Karwoche begonnen. Die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche feiert Christi Auferstehung nicht wie die lateinische Christenheit nach dem 1583 von Papst Gregor XIII. festgelegten Kalender, sondern noch nach jenem, der von Julius Caesar 45 v. Chr. eingeführt worden ist.

Für das „coole“ Europa unserer Tage sind solche Feinheiten vermutlich verstaubte Anachronismen aus dem Kuriositätenkabinett. Doch in Wahrheit bezeugen sie ungemein bedeutsame Differenzen, die tief hinab in den europäischen Wurzelgrund führen. Wer das nicht weiß, nicht wissen will oder bewusst ausblendet, der wird auch niemals eine Europäische Union schaffen. Jedenfalls keine, die ihren Namen wirklich verdient. Denn nur mit dem Licht der Vergangenheit lässt sich die Gegenwart richtig verstehen und die Zukunft meistern.

Auf diesen letzten Gedanken kann ein Reisender durch die Republik Mazedonien mehrfach stoßen. Er gilt für Kiril Stojanov, den katholischen Bischof von Skopje ebenso wie für den orthodoxen mazedonischen Bischof Kliment. Er gilt aber auch für Außenminister Antonio Milososki und Pasko Kuzman, der als mazedonischer „Chefarchäologe“ die Historie seines Landes mit einem Aufwand ausgräbt, der im gegenwärtigen Europa einmalig ist. Kuzman trägt den Schlüsselgedanken sogar demonstrativ an seinen beiden Handgelenken zur Schau. Links zwei Uhren, die ihm Gegenwart und Zukunft ansagen und rechts eine für die Vergangenheit. So ist der Mann, der eine gelungene Symbiose aus Heinrich Schliemann und Indiana Jones sein könnte und derzeit mit zweitausend Arbeitern die Erde seiner Heimat nach Altertümern durchsucht, schon allein deshalb immer à jour, weil seine drei Chronometer ihm zugleich Kompass und Tiefenlot sind.

Skopje ist nach dem gewaltigen Erdbeben von 1963 eine Stadt mit einem vom Sozialismus geschundenen Gesicht geworden. Im Zentrum dominiert die weitläufige Ödnis einer Architektur, die nicht den Einzelnen im Auge hat, sondern die Masse Mensch. Im vergleichsweise reichen Leipzig oder Dresden ist es nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums und seiner Vasallenstaaten gelungen, durch Instandsetzung oder Rückbau wieder Städte mit menschlichem Antlitz zu schaffen. So eine Rückgewinnung kann sich Skopje nicht leisten. Doch immerhin gelingt es, hier und da ein symbolisches Zeichen zu setzen.

Eines davon ist das neuerbaute Haus für Mutter Teresa. Der Erinnerungsort an die weltbekannte Heilige steht genau dort, wo vor dem Erdbeben die Herz Jesu Kathedrale des damaligen Erzbistums Skopje ihren Platz im Zentrum der Stadt hatte. Mutter Teresa wurde am 27. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Üsküp im Osmanischen Reich auf dem Gebiet des heutigen Mazedonien von katholischen Eltern geboren. Ihre Mutter pflegte eine besonders innige Beziehung zur Herz Jesu Figur der Kathedrale und sorgte dort regelmäßig für frischen Blumenschmuck. Oft nahm sie zu diesem Liebesdienst auch ihre Tochter Agnes mit. So wuchs das Mädchen mit dem heiligsten Herzen Jesu vor Augen auf. Die Gedenkstätte, zu der übrigens auch eine kleine Kapelle gehört, soll die Verbundenheit der Republik Mazedonien mit der Heiligen zum Ausdruck bringen. Oder um es in den Worten des Außenministers Antonio Milososki zu sagen: „Mutter Teresa ist ein Symbol für unser Land. Denn sie war klein, verletzlich und gut – und das ist Mazedonien auch.“

Klein ist auch der Amtssitz von Bischof Kiril Stojanov, der in einem ganz gewöhnlichen Wohnhaus in einer ganz gewöhnlichen hauptstädtischen Seitenstraße liegt. Der katholische Bischof von Skopje und Exarch aller Unierten in Mazedonien ist ein Hirte für 25 000 katholische Seelen. Er betont sein gutes Verhältnis zur orthodoxen Geistlichkeit seiner Heimat. Mit dem Abtsbischof Kliment von Zrze, der zugleich Sekretär der Heiligen Bischofssynode der mazedonisch-orthodoxen Kirche ist, versteht sich Kiril Stojanov besonders gut. Beide sind schon mehrfach gemeinsam nach Rom gefahren, um an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus zu beten – und in San Clemente al Laterano.

Ein realitätsblindes Regime verschandelte ein Kloster

Diese hochmittelalterliche Kirche, die über einem Vorgängerbau aus dem 4. Jahrhundert errichtet wurde, ist Clemens I. geweiht, der in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts Bischof von Rom war. Für die Orthodoxe Kirche ist er insofern von Bedeutung, weil die beiden Brüder Kyrill und Method – bekanntlich im 9. Jahrhundert von Byzanz ausgesandt, um die Slawen zu missionieren – nach einer Legende auf der Krim die Reliquien des Heiligen Clemens I. auffinden, 867 nach Rom überführen, wo Kyrill 869 stirbt und in der Unterkirche von San Clemente beigesetzt wird. Der katholische Kiril und der orthodoxe Kliment: beide sind aus Mazedonien angereist und knien Seite an Seite in der Unterkirche von San Clemente vor dem Grab des Hl. Kyrill. Ist das ein ökumenisches Zeichen, das in die Zukunft weist?

Zukunftsweisend ist zweifellos, was wir im Kloster Zrze sehen und hören. Schon die Fahrt steil hinauf auf das Felsenplateau ist wie aus einem uralten Epos entnommen. An einem Kreuzweg weisen ein uraltes Weiblein, ganz in schwarz mit einem Reisigbündel auf dem gewiss schon lange Zeit krummen Rücken, ein Bauer mit zwei Wolfshunden an seiner Seite und ein Schimmelreiter die rechte Bahn. Die ist ein Pfad, der zu drei, vier, fünf Serpentinen führt, die steil sind und tiefdurchfurcht. Schon der erste Blick von unten aufs Kloster ist atemberaubend. Der Ausblick von oben in ein tief unten liegendes weites und fruchtbares Tal ist es erst recht. In diesen Felsen haben seit dem 8. Jahrhundert Eremiten Gott gesucht. Ihre Höhlen gibt es noch heute. Sie sollen bald archäologisch erschlossen werden.

Wie um ihre Realitätsblindheit zu betonen, haben die jugoslawischen Tito-Kommunisten in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts hier oben einen Bauernhof hingesetzt. Vor zehn Jahren haben Bischof Kliment, der heute ein Mittdreißiger ist, und sechs Mitbrüder damit begonnen den sinnlosen sozialistischen Schrott wegzuräumen und die uralte Kirche mit den wertvollen Ikonen aus dem 14. Jahrhundert wieder in Betrieb zu nehmen. Eine ganzjährig üppig fließende Quelle versorgt die Mönche mit lebenswichtigem Wasser und speist noch dazu einen dreifach gegliederten Teich, in dem es von Fischen nur so wimmelt. Das Kloster selbst macht einen geradezu noblen Eindruck. Im Innern präsentiert der Abtsbischof die Tafel mit der Genealogie des Klosters, ein kleines bronzenes Kreuz aus dem neunten Jahrhundert und noch andere wertvolle Fundstücke aus großer christlicher Zeit. Als Abt Kliment und seine Mitbrüder in Zrze ihre Arbeit begannen, schien es, als sei das Aussterben des mazedonischen Klosterlebens nur noch eine Frage von wenigen Jahren. Doch heute gibt es im ganzen Land wieder zweihundert orthodoxe Mönche. Die meisten von ihnen sind zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt.

Einige Autostunden vom gastfreundlichen Zrze entfernt liegt die Stadt Ohrid am gleichnamigen See. Der präsentiert sich im Abendlicht wie eine riesige silberne Scheibe. Auf den ringsherum aufragenden Anderthalbtausendern liegt noch massenhaft Schnee, und hinter der langen, fast menschenleeren Uferpromenade, die sich in einem weichen Bogen elegant um den See schmiegt, türmen sich kleine Häuser terrassenförmig gegen die langsam ansteigenden Berge. Dieses Panorama bezaubert bei jedem Licht und in allen Wetterlagen.

Den mazedonischen „Chefarchäologen“ kennt in Ohrid jeder. Lange graue Haare umrahmen sein rundes, wettergegerbtes Gesicht. Er trägt Blue Jeans, T-Shirt und eine weite Jacke, deren Hauptvorteil darin zu bestehen scheint, unübersichtlich viele Taschen zu haben. Wenn Pasko Kuzman schaut, dann schaut er. Wenn er spricht, dann spricht er, und wenn er schweigt, dann ist sein Schweigen von Gewicht.

Seine drei schon erwähnten Uhren sind eine Metapher fürs Gestern, Heute und Morgen. Wobei das Gestern ein neolithisches Pfahldorf mitten im See sein kann, in dessen unmittelbarer Nähe in diesem Frühjahr ein kleines Museum eröffnet wurde. Oder ein Römerkastell. Oder ein Helm aus der Zeit Alexanders des Großen. Doch Kuzman gräbt die Relikte des mazedonischen Welteroberers nicht als Rassefanatiker aus, der dem Wahn unterliegt, die Mazedonier im 4. Jahrhundert v. Chr. hätten ethnologisch, genetisch oder wie auch immer „blutsmäßig gesehen“ irgendetwas mit den heutigen Mazedoniern zu tun. Diese Weltsicht ist in einem Land mit den Nachbarn Albanien, Bulgarien und Griechenland alles andere als ein Spiel, sondern ist ein hochpolitischer Punkt. Für Pasko Kuzman ist der Balkan ein „melting pot“. Wer hier in Ethnien oder nationalistisch denkt, ist in seinen Augen ein anachronistisches Fossil; also zum Aussterben verurteilt.

Kuzmans Schatzkammer ist im obersten Stockwerk einer kleinen Ohrider Villa. Er nennt sie schlicht „Troja“. Dort liegt von der prinzlichen Totenmaske aus Gold bis zu einem bislang weltweit nirgendwo sonst gefundenen geflügelten Dädalus auf schlichten Regalbrettern fein säuberlich aufgereiht alles, was der Archäologe, der offenbar einen sechsten Sinn für Erdverborgenes hat, in den vergangenen Jahren so alles aus seiner Heimaterde ans Licht bergen konnte. Hier ist noch nichts museal versargt. Hier atmet noch alles die Aura des frisch Entdeckten.

Am frühen Abend der orthodoxen Osternacht ist die Uferpromenade zu einem Laufsteg für Jung und Alt geworden, und in den zahlreichen Restaurants ist kaum noch ein Platz frei. Gegen elf Uhr macht sich an den Tischen Unruhe breit, und bald strömen von überall her Menschen mit brennenden Kerzen in ihren Händen die steilen und engen Gassen hinauf. In und um Ohrid herum soll es 365 Kirchen geben. In einer davon ist die Hl. Messe schon in vollem Gange. Auf der freien Fläche davor sind Viele versammelt. Im Gotteshaus selbst, in das vielleicht ein halbes hundert Personen passen, herrscht ein reges Kommen und Gehen. Kaum jemand besetzt hier seinen Stehplatz, sondern folgt einer genau festgelegten Ikonenroute, küsst andächtig jedes heilige Bild, lässt einen Geldschein zurück und geht dann in den Vorraum, wo in einen mit feinem Sand gefüllten Kasten lange schmale Kerzen gesteckt und entzündet werden – die für die Lebenden oben, die für die Toten unten – und begibt sich dann wieder ins Freie.

Am Ohridsee fällt es leicht, sich an den Hl. Paulus zu erinnern

Pünktlich um Mitternacht kommt unter Glockengeläut auch der Priester nach draußen und verliest dort mitten im Gottesvolk stehend das Evangelium von der Auferstehung des Herrn. Dann der Ruf: „Christ ist erstanden!“ und vielstimmig kommt die Antwort: „Er ist wahrhaft auferstanden!“ Nun Küsse, Umarmungen, und jetzt werden die meist rot gefärbten gekochten Eier aus den Taschen geholt, um mit einem Nächsten sein Ei an der Spitze anzupicken. Das Osterei ist ein Auferstehungssymbol. In der orthodoxen Osternacht lernt das ganz leicht jedes Kind.

Der Ohridsee gehört zu den ältesten, tiefsten Seen der Welt. Hier fällt es leicht, sich an Paulus zu erinnern, der von Kleinasien über das Wasser kam, um im mazedonischen Philippi die erste europäische Heidengemeinde zu gründen. Damals leben dort zehntausend Menschen. Unter ihnen ist auch die Purpurhändlerin Lydia. Diese Frau „war eine Gottesfürchtige, und der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte. Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr überzeugt seid, dass ich fest an den Herrn glaube, kommt in mein Haus und bleibt da.“

So beschreibt die Apostelgeschichte Paulus ersten europäischen Taufakt, der einem Ruf Gottes geschuldet ist. Denn nachdem Paulus mit Silas und Timotheus Mysien durchwandert und bis Troas gekommen ist, hatte er dort „in der Nacht eine Vision. Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir waren überzeugt, dass uns Gott dazu berufen hat, dort das Evangelium zu verkünden. So brachen wir von Troas auf und fuhren auf dem kürzesten Weg nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis. Von dort gingen wir nach Philippi, eine Stadt im ersten Bezirk von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf. Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns zu den Frauen, die sich eingefunden hatten.“

Man muss diese Missionsreise eine wohlüberlegte nennen. Denn Philippi, das nach dem Sieg Octavians über Marcus Antonius in der Schlacht bei Aktium 31 v. Chr. neugegründet wird und den Namen Colonia Iulia Augusta Philippensis erhält, ist von diesem Datum bis ins 3. Jahrhundert eine Stadt, in der die römische Lebensart und Kultur dominiert, sodass Historiker von einem Rom im Kleinformat sprechen. Nicht nur das Römische Reich, auch das ältere Weltreich Alexanders III. (356 bis 323 v. Chr.) wird deutschen Schülern, die noch einen nachhaltigen Geschichtsunterricht genießen, gut bekannt sein, und dass Alexander der Große ein Mazedonier war, deshalb sicherlich auch.

Gleichwohl kann man sich fragen, ob es angesichts der politischen Realitäten besonders glücklich ist, den Flughafen von Skopje nach ihm zu benennen. Denn zwangsläufig nimmt auch daran Griechenland Anstoß, dessen Regierung mit Mazedonien in einem Nachbarschaftsstreit liegt und sich bis heute weigert, eine Republik Mazedonien dieses Namens wegen überhaupt anzuerkennen. Denn weil die nordgriechische Grenzprovinz ebenfalls Mazedonien heißt, beansprucht das offizielle Griechenland diesen Namen exklusiv für sich und hat dem 1945 als einen der jugoslawischen Bundesstaaten gegründeten und 1991 unabhängig gewordenen Staat sowohl die Aufnahme in die NATO als auch den Beitritt in die Europäische Union mit einem Veto bislang erfolgreich verweigert. Was oberflächlich betrachtet wie ein bizarres balkanesisches Verwirrspiel anmutet, ist bei genauem Studium des Sachverhalts weit mehr. Denn im Unterschied zu jenen Staaten, die aus dem zerfallenden Jugoslawien hervorgegangen sind, beharrt die Athener Regierung darauf, dass in Griechenland keine ethnischen Minderheiten leben, sondern ausschließlich „reinrassige Hellenen“.

Schon in der Frühzeit sind in den südöstlichen Teil unseres Erdteils viele Völker eingezogen, haben andere, die vor ihnen hier waren, verdrängt oder sich mit ihnen vermischt. Wer hier heute den völkerkundlichen Oberschiedsrichter spielt, hat herzlich wenig aus der Geschichte gelernt. Vor allem nichts aus der des 20. Jahrhunderts. Es hat den Anschein, als hätte die aktuell christdemokratisch regierte Mazedonische Republik das besser begriffen als ihr südlicher Nachbar. Davon zeugt als hochaufgerichteter Ausdruck der Energie und Mittel, die das kleine und arme Land für den Wiederaufbau von Klöstern und Kirchen aufbringt, auch das große Kreuz, das auf dem höchsten Hügel von Skopje zur Jahrtausendwende errichtet wurde, und jeden grüßt, der hier ankommt oder abfährt.

Wie man hört, sollen sich daran jene europäischen Botschafter stoßen, die Religionsfreiheit für eine Einbahnstraße mit eingebauter Vorfahrt für Atheisten halten und nur zu gern übersehen, dass Religionsfreiheit, diese Lieblingsvokabel der säkularen Aufklärung, zwei Seiten hat und die positive Freiheit zur Religion hin einschließt. Christen erinnert das Kreuz von Skopje an den Völkerapostel Paulus und an einen Satz aus seinem Brief an die Philipper: „Ob ich komme und euch sehe oder ob ich fern bin, möchte ich hören, dass ihr in dem einen Geist feststeht, einmütig für den Glauben an das Evangelium kämpft und euch in keinem Fall von euren Gegnern einschüchtern lasst. Das wird für sie ein Zeichen dafür sein, dass sie verloren sind und ihr gerettet werdet, ein Zeichen, das von Gott kommt.“

Quelle: "Die Tagespost. Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur"
http://www.die-tagespost.de

Papst Benedikt XVI.: "Die Tagespost ist wichtig. Gut, das es sie gibt. Sie ist unverzichtbar für die katholische Medienlandschaft"

Letzte Aktualisierung ( Montag, 13. Juli 2009 )
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Zum Berg des Erzengels und des Despoten – Ein Ausflug nach Prilep PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Andreas Raab   
Freitag, 19. Juni 2009

Zwei Autostunden von der mazedonischen Hauptstadt Skopje entfernt, erwartet den Besucher Prilep, eine Stadt in grandioser Naturkulisse mit uralter Geschichte und einen interessanten Menschenschlag. Hat man mit dem Auto die Straße zum Pletvar-Pass erklommen, was seit einigen Jahren nach dem Ausbau der Straße recht konfortabel vonstatten geht, bekommt man Prilep zum ersten Mal zu Gesicht.

 Der erste Eindruck von fern vermittelt Anarchie: Ein Gewirr von roten Dächern der Häuser, ohne erkennbare Linien von Straßen wird überragt von einen gewaltigen Bergrücken, der zur Gänze mit wahllos dahingeworfenen Granitbrocken unterschiedlicher Größe übersät zu sein scheint. Wird diese Anarchie nicht durch die Geschichte Prileps bestätigt, deren Bewohner in vielen Epochen als notorische Dissidenten aufgetreten sind? Aus Prilep kam eine Vielzahl von berühmten und unbekannten Kämpfern gegen die Türken wie gegen die Serben und in Prilep wurde auch gegen die Kommunisten und die Funktionäre des jugoslawischen Sozialismus aufbegehrt.

Nähert man sich der Stadt, erschließt sich aber ein differenzierteres Bild: zu diesem gehören die regelmäßigen Formen und Strukturen der Felder der großen, nach der Anfahrt durch Schluchten und über Pässe noch mehr beeindruckenden, pelagonischen Hochebene.Auch das Chaos der Granitsteine ordnet sich zu einen interessanten grün-grauen Farbenspiel am Bergrücken, aus dem ein weißes Kloster auf halber Höhe und die Reste einer Burganlage, von einen Kreuz gekrönt  auf der Bergspitze herausragen.

Die Arbeit auf den Getreide- und Tabackfeldern in glutheißer Sommersonne haben die Prileper geprägt und den wohl am härtesten arbeitenden Menschenschlag Mazedoniens hervorgebracht (wie überall bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel...). Die Prileper haben auch schon sehr früh im Ausland gearbeitet; bereits Ende des 19.Jahrhunderts suchten sie auf anderen Kontinenten, in Nordamerika und Australien Arbeit um ihre Familien zu Hause zu ernähren.  

Stolz und geschichtsbewußt sind die selbstbewußten Prileper: auf ihr Kloster des Erzengels Michael das in einer kühnen Konstruktion am Felsen klebt und auf die Reste der Festung des Fürsten Marko.

Das Erzengel-Michael -Kloster, in dem heute wieder orthodoxe Nonnen leben, beten und arbeiten, beeindruckt durch seine Anlage: die Klostergebäude,die um die kleine orthoxe Kirche herumgebaut sind und auch eine Quelle beherrbergen, die den Ordensleuten die Grundlage für ein Leben am Berg gab aber auch die landschaftliche Umgebeung. Beeindruckend ist auch die Aussicht vom Kloster auf die Weite der pelagonischen Ebene und die Bergzüge des Mariovo am Horizont ebenso wie die Felsen und die bereits erwähnten Granitbrocken, die seit Millionen  von Jahren hier in einer Vielfalt von Größen und Formen liegen und trotzdem so aussehen als würden sie jeden Moment auf das Kloster stürzen. Im und um das Kloster  wurden deshalb viele der Szenen des bekanntesten und meistdekorierten mazedonischen Films „Vor dem Regen“ (1994) des in den USA lebenden Star-Regisseurs Milco Mancevski gedreht.

Vom Kloster führt ein gut ausgebauter Weg um den Berg, der von den bizarren Granitbrocken flankiert wird. Auf einigen dieser Felsbrocken findet der aufmerksame Besucher Fresken aus dem Mittelalter, an denen Wind und Wetter genagt haben. Ein Heiliger Georg zu Pferde der den Drachen tötet ist aber noch mehr zu erahnen als zu erkennen. Wenn man vom Weg abweicht und zwischen den Granitbrocken klettert ergeben sich wunderbare Ausblicke auf Prilep und die Pelagonische Ebene. Dazwischen stößt man aber auch auf die ersten Reste von mittelalterlicher Bebauung, Wirtschaftsgebäude, die zur Burg des Despoten Marko, wie der damalige Titel eines fürsten lautete, gehören. Marko (+ 1394) war ein Sohnes des serbischen Fürsten und zeitweiligen Königs Vukasin , und beherrschte in der bewegten Zeit des Türkeneinfalls Teile Mazedoniens. Als Krali Marko hat er Eingang in die Volkslieder des Balkan gefunden hat. Nach diesen Volksliedern sollen die Wehrmauern und Türme an den engsten Stellen des Felsens von Kindern in Fronarbeit erbaut worden sein. Besucher, die eine Kletterpartie nicht scheuen, können die Festung frontal und schweißtreibend angehen oder um die östliche Kehre des berges wandern und dann einen weniger steilen Pfad zur Festung einschlagen. Belohnt wird man auf alle Fälle mit der Chance mitelalterlichen Bastionen, Wehrtürmen und Toranlagen zu erkunden und natürlich einer perfekten Aussicht in alle Himmelsrichtungen von diesen strategischen Platz.

Nach der Rückkehr vom Berg des Erzengel und des Despoten, kann man sich bei einen Kaffee in der sehr freundlichen Fußgängerzone der Stadt ausruhen oder aber sich mit einer Prileper Spezialität stärken, den Shirden. Das deftige  Fleischgericht besteht aus einen mit dreierlei Sorten Fleisch gefüllten, kräftig mit Kräutern gewürzten und gebratenen Lammmagen. Dieses Gericht, das man auch in der persischen Küche findet, ist den Prilepern Beweiß, daß wohl einer der ihren es vor 2300 Jahren vom Alexanderfeldzug nach Hause brachte. Man sollte sich aber von den Geschichtstheorien nicht zu sehr ablenken lassen und es mit einen Glas makedonischen Vranec – Rotwein oder einen kühlen Prileper DAB (Eichen)- Bier, das seit den 1920er Jahren anch deutschen Reinheitsgebot gebraut wird, genießen und damit einen interessanten Ausflug nach Prilep abschließen.

 

 

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Weihnachten in Mazedonien PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Andreas Raab   
Mittwoch, 31. Dezember 2008

Die Weihnachtsvorbereitungen der mazedonisch-orthodoxen Bevölkerungsmehrheit beginnen später als in Deutschland, denn Weihnachten wird von den mazedonischen Christen nach dem alten  (julianischen) Kalender gefeiert und Heiligabend ist deshalb erst nach dem Neujahrstagen am 6. Januar mit den darauffolgenden 3 Tagen als Weihnachtfeiertage.

Wenn auch immer mehr globale Weihnachts-Versatzstücke wie die blinkenden Lichterketten und englischsprachige Weihnachtsschlager in den Einkaufsstrassen auch in Skopje und den grösseren Städten Einzug gehalten haben, so findet man doch noch sehr viele originale oder originelle mazedonische weihnachtliche Bräuche:
 
Das beginnt mit der klassischen Weihnachtsdekoration. Dominiert in Mitteleuropa der Tannenbaum als Schmuck der Weihnachtszeit und in Skandinavien oder den angelsächsischen Gebieten der Mistelzweig, so werden in Mazedonien Büschel mit trockenen Eichenlaub verwendet.

Am Abend des fünften Januars, also vor Beginn der eigentlichen Feiertage, kommen die Menschen zu einen Nachbarschaftsfest zusammen, das Kolede genannt wird. Zur Kolede wird spezielles Zuckerweck gebacken und zusammen mit kleinen Geschenken an die sich gegenseitig besuchenden Nachbarn verschenkt. Im Freien kommen die Anwohner der benachbarten Strassenzüge zusammen, schichten Holzstösse auf und entzünden damit ein offenes Feuer. Es wird Musik gemacht und heißer Rakija getrunken. Die Grösse und Intensität der Kolede-Feier hängt natürlich von der Organisationskunst der Anwohner und Nachbarschaft ab und kann sich - abhängig von der Konstitution der Teilnehmer - bis in den frühen Morgen hinziehen.

Während der eine oder andere erwachsene Teilnehmer der Kolede-Feier vom Vorabend noch geschwächt ist,  kommen am Morgen des 6. Januar dann die Kinder auf ihre Kosten: Sie ziehen in Gruppen los, klopfen an den Haustüren, singen und fordern Süssigkeiten und andere kleine Geschenke – also eine Art makedonischer Halloween ohne Masken und Kürbisse.

Am heiligen Abend, Badnik, genannt, beginnt das eigentliche Weihnachtsfest mit einem gemeinsamen Familienmal: Das Esszimmer ist mit dem oben erwähnten Eichenlaub geschmückt und als traditionelle Speise wird ein Zelnik (eine Art makedonischer Lasagne aus Teiglagen mit verschiedenen Füllungen) serviert.
Ebenso wichtig ist ein speziell für Badnik zubereitetes rundes Brot, von dem jedes Familienmitglied ein Stück erhält. In diesem Brot wurde eine Münze eingebacken und der oder die Finderin bekommt kleine Geschenke und Glückwünsche der Verwandten und darf auf ein glückliches kommendes Jahr hoffen. Die Familie bleibt an diesem Abend zusammen - die Tafel wird traditionell erst am nächsten Morgen abgeräumt.

Die Weihnachtstage (7.,8. und 9. Januar) werden klassisch mit Festmal in der Familie und Besuchen der Weihnachtsgottesdienste begangen.  

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 31. Dezember 2008 )
 
Friedlich vereint in Ohrid PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Elke Frisch   
Donnerstag, 11. September 2008

Die geschichtsträchtige Stadt Ohrid liegt im Südwesten Mazedoniens und gehört mit ihrem großartigen See zweifellos zu den schönsten und attraktivsten Städten Europas - eine Perle alter Architektur mit wertvollem Kulturgut und historischen Denkmälern. Man kann sie auch ein "Stadtmuseum" nennen, denn hier ist der Orient an den Westen geraten und es entwickelte sich eine Stadt mit einzigartigem Charakter.
Der Ohrid-See ist einer der ältesten und tiefsten Seen der Welt mit vielen Pflanzen- und Tierarten, die es nur hier gibt. An seinen Ufern zeugen byzantinische Bauwerke und archäologische Kostbarkeiten von mehr als zweitausend Jahren Geschichte - auf unserem Bild sind mazedonische Helme (links und mitte) mit einem keltischen Helm (rechts) aus dem  3. Jahrhundert vor Christus im Museumsregal vereint.



Durch Ohrid führte einst die römische Militärstraße Via Egnatia. Sie verband das Römische Reich mit Saloniki und Konstantinopel. Später war Ohrid dann ein Zentrum der frühen Christen - die Slawen-Apostel Kyrill und Method haben die Stadt geprägt.









makedonische Helme (links und mitte) und keltischer Helm (rechts) des 3. Jhdts. vor Christus.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 25. November 2008 )